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Segen der Denkmalbehörde: Glaskunst-Photovoltaik auf Kirchendach
Die weltweit erste Glaskunst-Photovoltaik-Anlage produziert auf dem Kirchendach von Mühlen im Nordschwarzwald umweltfreundlichen Strom. Der Heilbronner Künstler Raphael Seitz schuf das 75 qm große öffentliche Kunstwerk. Die Glashütte Lamberts Waldsassen stellte das mundgeblasene Glas zur Verfügung.
In Form ausdrucksstarker Fenster ist mundgeblasenes Glas in Kirchen seit jeher zuhause. Neu ist das farbige Glas auf dem Kirchendach. In Mühlen bei Horb im Nordschwarzwald wurde die erste mit mundgeblasenem Glas künstlerische gestaltete Photovoltaik-Anlage installiert. Bereits seit längerer Zeit beschäftigte sich die kleine Kirchengemeinde intensiv mit der Möglichkeit, mittels Photovoltaik-Technologie regenerative Energien zu nutzen und damit die Verantwortung der Schöpfung gegenüber zu dokumentieren. Jedoch hatte eine herkömmliche PV-Anlage auf dem Dach der Dorfkirche keine Aussicht auf Genehmigung, weil sie das Ortsbild zu sehr verändert hätte. Auf der Suche nach anderen Möglichkeiten brachte der Kontakt zu dem Heilbronner Künstler Raphael Seitz die Lösung: ein gestaltetes Glas-Kunstwerk, das gleichzeitig umweltfreundlich Strom produziert.
Doch bis zu Realisierung des ehrgeizigen Projektes war es noch ein weiter Weg. Schließlich wurden mit Kago New Energy in Neckarsulm und den Derix Glasstudios Taunusstein Partner gefunden, die das Pilotprojekt durch reduzierte Sonder-Konditionen ermöglichten. Die Glashütte Lamberts Waldsassen stellte das komplette mundgeblasene Glas für die künstlerische Gestaltung kostenlos zur Verfügung. „Für unser handwerklich gefertigtes Glas eröffnet sich ein neues Marktsegment“, ist sich Hans Reiner Meindl, Inhaber des bayerischen Traditionsunternehmens sicher. „Durch die Verbindung mit Photovoltaik ist ein Brückenschlag gelungen, der wirtschaftlichen Nutzen mit künstlerischer Darstellung vereint“.
Das Solar-Glaskunstwerk ist nicht auf Profit ausgelegt. 75.000,-- € investierte die Kirchengemeinde, die Hälfte davon für die Photovoltaikanlage, die sich über die Einspeisevergütung refinanziert. Die andere Hälfte entfällt auf die Glaskunst und die Förderung eines Partner-Projektes in Ghana. Dort wurden zwei Krankenstationen mit Solar-Lichtboxen zur Beleuchtung von Operationsräumen ausgestattet. So erzeugt das Kunstwerk Solarstrom im Schwarzwald und gleichzeitig in Afrika. Auch die künftigen Gewinne aus der Stromerzeugung des Kirchendachs sollen für Projekte in der Dritten Welt unterstützen.
Die zukunftsweisende Bedeutung dieser Innovation wird durch die Schirmherrschaft durch Bundesministerin Annette Schavan unterstrichen.
Der Künstler selbst bezeichnet sein Werk als „Licht der Welt“. Sattfarbene Opakgläser wechseln sich mit verspiegelten Gläsern ab. Je nach Lichteinfall verändern sich die Farben der verschiedenen Glasarten, treten wechselweise in den Vordergrund und verändern so die Optik. Starre löst sich in scheinbarer Bewegung auf. „Die brillanten Farbgläser leuchten wie ein Augenzwinkern zwischen den Reflexionen des Himmels“, freut sich Raphael Seitz, der bereits an einem Folgeprojekt arbeitet. Man darf gespannt sein.
